Warum Inception kein Film ist und was das mit Marketing zu tun hat.
Björn,
zuerst einmal muss ich mich nicht nur bei Dir sondern bei unseren treuen Besuchern entschuldigen. Es ist lange, viel zu lange her seit meinem letzten Beitrag, aber in der Zwischenzeit haben wir jenseits dieses Blogs einiges auch in der analogen Welt bewegt und haben ja noch einiges in Zukunft vor. Also schon schon mal ein Vorsatz für 2011: Mehr Posts bei Fukuoka. Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Blog Posts. WIr hatten ja heute eine wie immer angeregte Diskussion zum Thema Filme und Golden Globe Gewinner. Im Laufe der Diskussion kam ich mit einem Argument, um die Unfähigkeit von den so genanten Experten bei der Beurteilung des letzten Christopher Nolan Films "Inception" zu verdeutlichen. Ich meine und das meine ich auch ernsthaft dass "Inception" mehr als nur ein Film ist. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr verfestigt sich auch diese Meinung.Wenn man sich mit Inception nur rein aus der Cineastik beschäftigt, dann ist dieser Film schon mal eine Ausnahme. Sowohl das die Idee des Drehbuch, als auch die Kamera und die Regie sind jedes für sich das beste was man lange aus Hollywood kennt. Von Spezialeffekten oder Inszenierungen gar nicht zu sprechen. Es gehört sehr viel Mut aber noch viel mehr Können dazu eine so anspruchsvolle und ungesehene Idee erstens mal in ein Drehbuch zu giessen dass so multidimensional ist und zweitens so vielschichtig und darüber hinaus den Betrachter auf eine emotionale Achterbahn Fahrt mitnimmt durch das gesamte Gefühlsspektrum, das einem sogar eine Stunde nach dem Kinobesuch noch schwindelig ist.
Inception ist aber mehr als ein Film, denn das Format eines Kinofilms wird nie dem Konzept und der Grundidee gerecht. Es zwingt diese disruptive und progressive Handlung sich einer linearen und traditionellen Erzählform zu fügen. Nicht dass der Film dadurch schlecht wird, aber das Konzept ist viel grösser, durchschlagender und auch effektvoller als die klassische Erzählform eines Spielfilms es jemals erlauben könnte. Es ist in meinen Augen Konzeptkunst, das auf eine sehr raffinierte Art und Weise Sein und Schein, Wertesysteme, Bewusstsein und Unterbewusstsein und damit die Grundfeste des Lebens intelligent hinterfragt ohne Oberlehrerhaft oder überintellektuell zu sein und den Bauch trifft während er den Kopf mitnimmt.Wenn man sich nämlich die vier unterschiedlichen Traumebenen in der jeweiligen Geschwindigkeit synchron ansieht, eröffnet sich einem ganz neue Perspektiven. Das grandiose dabei ist, dass die Idee mit dem Abspann des Films nicht zu ende ist sondern eigentlich weitergeht, durch die Auseinandersetzung mit der Story und ihren unterschiedlichen ebenen, durch den Austausch und die Interpretationen die um den Film herum gerade in sozialen Netzwerken entstehen und durch die neuen Perspektiven und die immer wieder auftauchenden 'versteckten" Dinge, die einem erst im Laufe der zeit und nach intensivem auseinandersetzen damit erst auffallen. Und das führt mich dazu dass Inception neben einem film und Konzept wenigstens für mich auch ein sehr gutes Beispiel moderner Markenführung und Marketing Kommunikation ist. Eine Marke muss nämlich vielschichtig und multidimensional sein. Eine Marke wird nicht geführt sondern entsteht nur aufgrund der unterschiedlichen Erlebnisse und Erfahrungen die man mit ihr macht. Man kann die Geschichte einer Marke nicht linear erzählen wie es immer noch viele traditionelle Kommunikationsprofis versuchen sondern man muss eine Marke und Ihre Ebenen und Berührungspunkte entwickeln und dann sie entwickeln lassen, weil die unterschiedlichen Dimensionen und die unterschiedlichen Erzähl-Stränge sich gegenseitig bedingen und beeinflussen und durch die Vernetzung der Welt entsteht aus diesen unterschiedlichen Perspektiven und Sichtweisen ein Bild, das zwar nicht keiner klassisch starren Markenpositionierung und Denke entspricht aber real ist, sich immer weiter entwickelt und immer wieder neue und interessante Überraschngen bereit hält.
Inception heisst wortwörtlich übersetzt der Beginn. Man im 21. Jahrhundert eine Marke nicht zu Ende kreieren oder sie und ihre Geschichte professionell zu Ende kommunizieren sondern man muss ihr wie in einem grandiosen Drehbuch einen Ausgangspunkt und viele mögliche Verbindungspunkte mitgeben und ihre Geschichte wird fortgeschrieben, im positiven wie m negativen denn auch das ist etwas was meiner Meinung auch erfolgreiche Markenführung und Kommunikation heute von früher unterscheidet, dass sie auch menschlich ist und Interpretationen auch negativer Art zulässt. Denn dann positioniert sie sich wahrhaftig. Dafür kriegt man zwar nicht immer Lob von fachkundigen Kritikern und die so genannten Fachidioten aber die menschen danken es einem mit dem wichtigsten was sie zu geben haben: Der Beginn von ernsthafter Auseinandersetzung..
