Vor uns die Sintflut.
Björn,
was mich seit Jahren immer wieder erstaunt, ist mit was für einer atemberaubender Ignoranz und Dummheit unsere Branche sich den Veränderungen und Fortschritt verweigert. Eine Branche die von sich behauptet, immer neu, immer mutig und immer Avantgarde zu sein. Eine Branche die sich jedes Jahr auf unzähligen Festivals wegen ihrer ach so bahnbrechenden Ideen feiert und sich selbst auszeichnet, hat in den letzten 50 Jahren nichts aber gar nichts innovatives hervorgebracht. Die letzte kreative Revolution der Werbebranche fand 1959 mit der Beetle Werbekampagne von Bill Bernbach statt und von dessen Visionen und Ideen und die Art und die Mechanik wie man kreative Kommunikation macht zehren heute noch immer fast alle Marktteilnehmer. Klar, natürlich haben in den letzten Jahrzehnten etliche sich neue Mottos, Visionen oder Mission Statements gegeben, Sei es Disruption, Behaviour Change, Truth Well told oder wie auch immer sie heissen. Es gibt agenturen wie Anomaly, Droga5 oder Crispin die versuchen Kommunikation neu zu verpacken oder zu inszinieren, aber alle und ich meine alle kochen nach den rezepten vin 1959. Was sie aber alle irgend wie nicht wahrhaben wollen ist dass die Welt da Da Draussen sich viel schneller dreht als sie es alle vor 10 Jahren noch für möglich gehalten haben.Mittlerweile ist zur Ignoranz sogar noch Galgenhumor dazugekommen. Statt dass wir uns substanzielle Gedanken machen wie wir ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell aufbauen können, das in Zeiten der Digitalen Infrastruktur und Verschwinden von Massenmedien und Kommunikationsdienstleistung noch eine Zukunft verspricht, erzählen wir frei von eigenem Tod wie die Jungs von Saatchi & Saatchi hier: Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich Leute die mit unserer Branche nichts zu tun haben, über uns und unsere Zukunft mehr Gedanken machen als wir selbst und uns klar und logisch aufzeigen, dass das was wir tun endlich ist. Wie die Herrschaften von Slate magazine, die was ganz einfaches ausprobiert haben um Mediaagenturen mal vorzuführen: Sie haben mit 1300 Dollar über doe Google TV-ad plattform Werbespots gebucht und haben bewiesen, dass man um die verderbliche Ware Werbung an den Mann zu bringen keine grossen Kreativagenturen oder Mediaagenturen braucht: http://slatev.com/video/how-i-ran-ad-fox-news/# Es ist in der Tat wie an einem schönen Tag am Strand wo jeder genau am Horizont die Riesen-Welle auf sich zukommen sieht und statt sich in Sicherheit zu bringen oder was dagegen tun, noch ein kaltes Getränk bestellt und sich mit Sonnencreme einreibt. Vielleicht muss es ja auch so sein. Vielleicht muss unsere Branche untergehen, wirklich um die Existenz kämpfen und so unter Druck kommen, damit wir aufwachen und uns hinterfragen und uns neu zu definieren. Die Zukunft wird es nicht zeigen, denn die Zukunft ist schon da.
