The Popcorn Hoax & The Marketing Bubble

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Björn,

Wenn man vom Beruf her von Marketing & Kommunikation lebt und dabei über die Zukunft derer nachdenkt, dann sollte man sich meiner Meinung nach auch ehrlich, schonungslos und selbstkritisch das was man sagt, tut und woran man glaubt auch vor Augen führen und sich über die Konsequenzen und Ergebnisse im klaren sein. So wie für einen Süchtigen in einer Selbsthilfegruppe der Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Heilung ist, sollten wir uns mal kritisch mit dem auseinandersetzen, was wir so tun und was wir lieber lassen sollten. 

Wenn man es auf das wesentliche reduziert, helfen wir Unternehmen dabei die Menschen dazu zu bringen Sachen zu kaufen, die sie eigentlich nicht brauchen. ja, ja ich weiss, "das kann man doch nicht so sagen", "das stimmt nicht", "das ist zu negativ", auf die Kommentare freue ich mich jetzt schon. Aber wenn wir ehrlich sind, wirklich ehrlich sind, machen wir genau das, was ich gerade beschrieben habe.  Ich glaube diese Einsicht hilft im ersten Schritt extrem um mal die Welt nicht aus der Sicht eines Kommunikationsprofis zu betrachten sondern aus der Sicht des normalen, aufgeklärten Menschen mit einem gesunden Menschenverstand.  

Wir haben in den letzten 60 Jahren eine Marketing Blase erzeugt, das sich ohne Probleme mit der Finanzblase der Banker messen lässt. ich gehe so weit zu sagen, dass diese Blase sogar noch destruktiver ist als die der Wall Street. Wir haben den Menschen Glück, Freude, Wohlstand, Persönlichkeit und Werte versprochen und zwar in dem wir behauptet haben, dass sie genau all das bekommen, wenn sie noch mehr Zuckerwasser, noch grössere Kühlschränke, noch schnellere Autos, noch schönere Häuser und noch schickere Kleidung brauchen um sich zu definieren oder den Zustand vom Glück zu erfahren. Das alleine ist schon einer der Hauptursachen der aktuellen Krise. 

Fight Club, Der Film von David Fincher aus dem Jahre 1999 nach dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk  aus dem Jahre 1996 handelt im weitesten Sinne genau davon und er zeigt ziemlich deutlich auf, was passiert, wenn die menschen auf der Strasse mal konsequent anfangen das ganze Kartenhaus in Frage zu stellen und zum Einsturz bringen. Es ist so nebenbei ein filmisches  Meisterwerk, weil ich ja weiss dass du ja nebenbei noch Filmkritiker bist. Hier mal in einer Zusammenfassung einige der wichtigsten Theorien und Erkenntnisse aus dem Film zum Thema Konsum und Marketing:

Genug Stoff für uns und Fukuoka alleine schon für die nächsten Wochen, Monate und Jahre. Wenn aber nicht noch jemand anderer wäre: James Vicary. Wie? Du kennst ihn nicht? ein ganz berühmter Mann. Er hat das so genannte Popcorn Hoax erfunden. In den 50er Jahren behauptete er allen ernstes dass er den Umsatz von Popcorn in einem Kino in Fort lee, New Jersey schlicht weg verzigfacht hat, in dem er für genau eine 3/100 Sekunde die Wörter "Eat Popcorn" während einer Kinovorstellung eingeblendet hat. James Vicary steht für mich für all die angeblich sicheren Instrumente, pseudowissenschaftlichen Methoden und schwachsinniger Marktforschung, mit der wir auch noch seit Jahrzehnte versuchen unsere Auftraggeber aber auch die Gesellschaft davon zu überzeugen, dass das was wir tun auch noch funktioniert. Wir feiern uns als die Helden, vergeben uns Preise und wundern uns, dass uns immer weniger die Wirtschaft, und noch weniger die Gesellschaft ernst nimmt. Wieder eine Szene aus dem Fight Club, der sehr anschaulich die Perversion vor Augen führt:

Was ich damit bewirken will, ist keine politische Debatte oder eine System-Diskussion sondern eine ehrliche Auseinandersetzung mit den grundlegenden Mechanismen eines Wirtschaftens und Definition einer Wohlstandsgesellschaft, die sich Lichtjahre von der Idee der Marktwirtschaft entfernt hat, die besagt dass sich Qualität, Substanz und wahrer Mehrwert in einem freien Wettbewerb durchsetzen und damit automatisch das Leben der einzelnen aber die Gesellschaft als ganzes besser und effizienter machen. Ich glaube die zeit ist mehr als reif für Ehrlichkeit, Substanz und eine kritische und produktive Auseinandersetzung. Und wenn es schon nicht auf den Vorstandsetagen, bei den Kommunikationsfirmen oder in den politischen Gremien passiert, dann wenigstens hier. Beim Fukuoka Project oder wie man vielleicht jetzt sagen würde: Fukuoka Club.